Skip to main content

Der Riese Amazon

Im Jahr 1995 wurde der erste Dollar auf amazon.com umgesetzt. Der Informatiker Jeff Bezos – heute der reichste Mann der Welt – hatte die Idee für einen digitalen Buchhandel in die Tat umgesetzt und schon bald großen Erfolg. In der großen Boom-Phase des Internets, gelang es Bezos, den kleinen Online-Buchladen zu einem gigantischen Marktplatz weiterzuentwickeln, der das Shopping im Internet für immer revolutionieren würde.

Amazon Blitzangebote

Heutzutage wird fast jeder zweite Euro im Internet bei Amazon ausgegeben. Jeder weiß, was die Prime-Mitgliedschaft ist, jeder wartet auf die begehrten Amazon Blitzangebote, wo es bei Mein Deal eine Übersicht gibt und Amazon Gutscheine sind inzwischen fast schon ein gängiges Zahlungsmittel. Amazon hat sich nach Google zur zweitgrößten Suchmaschine der Welt entwickelt – und das ausschließlich mit produktbezogenen Suchanfragen.

In diesem Artikel möchten wir einen Blick darauf werfen, wie das System Amazon funktioniert und welche Dinge man vielleicht als “normaler Kunde” gar nicht weiß. Der Riese Amazon ist nämlich noch viel komplexer, als man ohnehin schon meinen würde…

Amazon lockt Händler auf die eigene Plattform

Hätte Jeff Bezos sein Projekt Amazon.com nicht kontinuerlich weiterentwickelt, wäre es heutzutage weiterhin nur ein kleiner Online-Buchhandel geblieben. Doch Bezos hatte eine Vision: Er wollte das Shopping-Erlebnis im großen Stil umkrempeln und akquirierte schon bald verschiedene Online Shops, um deren Sortiment zu übernehmen und die Infrastruktur zu nutzen.

Dabei wurde jedoch schnell klar, dass das angestrebte Wachstum mit einem hohen Kapitaleinsatz verbunden war und eine Ausdehnung auf alle erdenklichen Produktkategorien nicht so einfach zu realisieren ist. Doch Bezos von der Idee angetrieben, dass seine Kunden möglichst alles bei Amazon kaufen können sollen. Doch wie erweitert man sein Portfolio, ohne alles selbst zu machen?

Die Lösung lag für Bezos auf der Hand: Er machte aus Amazon einen Marktplatz und lockte Händler mit der großen Reichweite, die seine Plattform schon damals hatte. Gegen eine Verkaufsgebühr war es für Händler möglich, Produkte auf Amazon anzubieten.

Amazon profitierte schnell von dieser Idee, denn mit einer zunehmenden Zahl an Händlern, wurde das Angebot immer vielschichtiger und umfangreicher – sowohl innerhalb einer Produktkategorie als auch über verschiedene Produktkategorien hinweg gesehen.

Schon bald begannen viele User damit, ihre Produktsuche “erst mal bei Amazon” zu starten. Das spielte dem heutigen eCommerce-Giganten natürlich zusätzlich in die Karten. Das steigende Interesse der Händler löste auch in gewisser Weise einen Preiskampf aus. Dadurch waren und sind Produkte bei Amazon häufig günstiger als auf anderen Marktplätzen oder individuellen Shops.

Wer verkauft eigentlich auf Amazon?

Amazon Blitzangebote Übersicht

Wo hast du das gekauft? Bei Amazon! So sagen wir es zwar in der Regel, doch die richtige Aussage wäre eigentlich: Auf Amazon. Nicht immer kaufen wir wirklich etwas von Amazon selbst, sondern häufig kommt das Geschäft mit einem externen Händler zustande. Auf der Produktdetailseite lässt sich ganz einfach einsehen, von wem ein Produkt angeboten wird. Ein Blick auf die rechte Seite unter dem Einkaufswagen-Button genügt. Dort können folgende Dinge stehen:

  • Verkauf und Versand von Amazon
  • Verkauf von Firma XY und Versand von Amazon
  • Verkauf und Versand von Firma XY

Nur wenn Verkauf und Versand von Amazon angezeigt wird, handelt es sich um Produkte, die Amazon eigenverantwortlich einkauft und an den Endkunden weiterverkauft. Amazon entwickelt auch eigene Produkte und Marken (z.B. AmazonBasics), doch der Großteil des Umsatzes entfällt auf das sogenannte Amazon Vendor Geschäftsmodell.

Amazon nimmt dabei Kontakt mit erfolgreichen Verkäufern auf und bietet diesen an, die Produkte im Namen von Amazon zu verkaufen und auch den Versand zu übernehmen. Für den Verkäufer hat dies den großen Vorteil, dass er direkt einen großen Umsatz verbuchen kann und nicht mehr jeden einzelnen Kunden beliefern muss. Allerdings ist er dadurch nicht komplett vom Service befreit und muss sich auch noch teilweise aktiv um die Vermarktung kümmern.

Wer mit der Logistik ebenfalls nicht viel zu tun haben möchte, für den kommt das FBA-Programm von Amazon infrage. Dabei handelt es sich um ein “Fulfilment by Amazon” – also die Abwicklung des gesamten Paketversandes von Amazon. Auch um Retouren kümmert sich Amazon. Das kostet natürlich Geld, dafür nimmt es den kleinen Händlern aber auch viel Arbeit ab. Neben Lagergebühren verlangt Amazon auch Gebühren für Verpackung und Versand.

Es ist aber auch möglich, komplett selbstständig als Händler zu bleiben und sich nicht nur um den Verkauf, sondern auch um den Versand der Produkte zu kümmern. In diesem Fall muss man nur eine Verkaufsgebühr (z.B. 15% vom Umsatz) entrichten. Dieses Programm wird auch FBM (“Fulfilment by Merchant”) genannt.

Übrigens: Es ist also denkbar, dass eine Bestellung auf Amazon in mehreren Paketen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ankommt, wenn man bei einem FBM-Händler und gleichzeitig bei Amazon direkt bestellt.

Die geniale Multimedia-Strategie von Amazon

Amazon Multimedia

Bei Amazon findet man heutzutage alles – von A wie Abfalleimer bis Z wie Zaunpfahl – doch besonders maßgeblich für den Erfolg des Online-Riesen war mit Sicherheit der starke Fokus auf den Multimedia-Bereich.

Amazon stellt in Bezug auf die Auswahl jeden Elektronikfachhandel in den Schatten, bietet aber gleichzeitig ein größeres Sortiment als jede Videothek oder jeder Gaming-Store. Die Möglichkeit, sinnvolle Produktbündel zu schnüren, wurde schnell zum absoluten Erfolgsfaktor von Amazon.

Ein spontaner Filmabend? Dank Amazon kein Problem!

Bei ein und derselben virtuellen Shopping-Tour auf Amazon.com findet man alles für ein ungetrübtes Multimedia-Erlebnis. Man denke dabei z.B. an einen entspannten Filmabend mit Freunden. Auf Amazon kann man sich mit wenigen Mausklicks alle benötigten Dinge dafür besorgen:

  • ein großer Fernseher oder ein Heimkino-System
  • ein DVD-Player oder ein internetfähiger Receiver
  • verschiedene Filme (entweder als DVD oder Download)
  • eine Popcornmaschine (inkl. Zucker und Mais)
  • Behälter für das Popcorn
  • eine bequeme Couch

… und mit einem Klick landet alles im Warenkorb und wird vermutlich bereits in wenigen Tagen – Amazon Prime sei dank – zugestellt. Das geht wirklich nur auf Amazon!

Besonders das digitale Filmgeschäft hat die Umsätze von Amazon nochmals deutlich angekurbelt und die Bedeutung als Multimedia-Gigant weiter unterstrichen. Auf Amazon.com kann man sich inzwischen fast jeden Film ausleihen oder kaufen und dann herunterladen. Wirkliche technische Barrieren gibt es dabei nicht mehr. Internetfähige Receiver sind oftmals schon mit einer Amazon-App ausgestattet und machen es so noch bequemer, Filme zu kaufen. Zudem sind moderne Fernseher häufig bereits mit einem Internetzugang ausgestattet. Und natürlich gibt es diese Receiver & TV-Geräte auch wieder auf Amazon zu kaufen.

Wer eine Prime-Mitgliedschaft besitzt, kann mit Amazon sogar mehr Filme und Serien streamen er oder sie im ganzen Leben schauen könnte. Ganz nebenbei gibt es regelmäßig Aktionen für Prime-Kunden und der Versand ist ohnehin beschleunigt. Das kurbelt also wiederum die Verkäufe für andere Produkte an – mal wieder ein geschickter Schachzug von Jeff Bezose & Co.

Musik kauft man bei Amazon Music

Der Verkauf physischer Tonträger geht immer mehr zurück – und daran hat auch Amazon Music “Schuld”. Der Dienst wurde 2007 von Amazon ins Leben gerufen und ermöglichte den Download einzelner Songs. Das Modell war nicht neu. Auch iTunes & Co waren längst im digitalen Musikbusiness unterwegs.

Doch bei Amazon gibt es natürlich direkt wieder den Faktor der Bündelung. Hier kann man sich nicht nur seine Lieblingsmusik kaufen, sondern auch die passende Stereoanlage oder einen MP3-Player. Man ist zudem nicht auf eine Marke festgelegt. Bei Amazon findet man praktisch alle namhaften Hersteller.

Amazon dominiert den eBook-Markt

Das nächste Erfolgsmodell von Amazon war der Amazon Kindle. Dabei handelt es sich um einen eBook-Reader, der inzwischen mit der sogenannten kindleunlimited-Mitgliedschaft auch ein einzigartiges Features erhalten hat.

Alle Bücher aus dem eBook-Store von Amazon lassen sich auf das Kindle herunterladen. Oftmals zahlt man dafür einen deutlich reduzierten Preis im Vergleich zum klassischen Buch. Zudem sind viele Titel im Rahmen der kindleunlimited-Mitgliedschaft kostenlos und können einfach direkt gelesen werden.

Bei Amazon kann man aber nicht du bekannte Bücher kaufen, die es in jedem Buchladen gibt. Besonders interessant sind auch die vielen Autoren, die das KDP-Programm (“Kindle Direct Publishing”) nutzen. Dabei handelt es sich um einen Marktplatz für Selbstverleger, die ihre Bücher verkaufen möchten. An jedem Sale verdient Amazon ordentlich mit, bietet dafür aber natürlich auch eine besonders einfache Möglichkeit, um eigene Bücher zu verkaufen.

Wie geht es mit Amazon weiter?

Der große Erfolg von Amazon kann einem schon fast ein wenig unheimlich werden. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt und das Sortiment wächst täglich weiter. Manche Branchen hat Amazon noch gar nicht angetastet, testet aber schon fleißig.

Vielleicht werden wir in Zukunft auch all unsere Reisebuchungen und Versicherungen über Amazon abschließen. Oder wir buchen auch Dienstleistungen über den Markplatz. In jedem Fall sollte man sich intensiv mit Amazon beschäftigen, wenn man im Internet erfolgreich verkaufen möchte. Auch immer mehr Händler und Hersteller, die Amazon bisher ignoriert haben, kommen langsam zu der Einsicht, dass an der Plattform kein Weg mehr vorbeiführt.

Was wird die nächste Innovation?

Doch Jeff Bezos ist in seinen Gedanken mit Sicherheit schon wieder einen Schritt weiter vorn und beschäftigt sich mit neuen Optimierungspotentialen. Es ist z.B. keine Frage, dass Amazon gerne noch unabhängiger wäre, was die Zulieferung von Produkten angeht.

Aktuell sind Unternehmen wie DHL, GLS oder Hermes einige der größten Profiteure von Amazon. Steigende Online-Umsätze bedeuten für sie auch mehr Auslieferungen. Allerdings möchte hiere Amazon am liebsten Veränderungen herbeiführen und künftig viel mehr Produkte selbst ausliefern. Kein Wunder – schließlich lässt sich in diesem Segment viel Geld verdienen und diese zusätzlichen Umsätze für Jeff Bezos sicher gerne auf der Habenseite seines Unternehmens verbuchen.

Auch die Auslieferung mit unbemannten Fahrzeugen (z.B. Drohnen) wird immer konkreter. Auf diese Weise wäre eine Lieferung von Paketen schon am selben Tag möglich. Amazon hat sogar bereits bewiesen, dass dies (auch ohne Drohnen) vereinzelt schon klappen kann. Der ohnehin rückläufige stationäre Handel könnte dadurch eines seiner wichtigsten Verkaufsargumente (“Sie können es ja gleich mitnehmen”) verlieren.

Ist Amazon gegen jede Kritik immun?

Ein so erfolgreiches Unternehmen wie Amazon gerät natürlich nicht selten ins Fadenkreuz der Kritiker. Sehr häufig ist dabei der Vorwurf zu hören, dass Amazon gezielt illegal Steuervermeidung betreibe und deshalb einen unfairen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hätte. Doch stimmt das überhaupt?

Auch ohne Einblick in die Steuergeheimnisse von Amazon zu haben, lässt sich sagen, dass viele Anschuldigungen die Fakten verdrehen und Tatsachen vergessen werden. So handelt es sich bei Amazon natürlich nicht um ein deutsches Unternehmen. Wer in Deutschland etwas bei Amazon kauft, schließt einen Vertrag mit dem luxemburgischen Unternehmen von Amazon. Das Großherzogtum macht seinem Ruf als Steueroase zwar alle Ehre, doch illegal ist es nicht, dort ein Unternehmen zu betreiben.

Zudem sollte nicht vergessen werden, dass Amazon hierzulande auch ein wichtiger Arbeitgeber ist. Das Vorurteil, dass man bei Amazon besonders schlecht bezahlt wird, stimmt gar nicht – im Gegenteil. Tatsächlich zahlt Amazon deutlich besser als ein Großteil der Konkurrenz, wodurch sich immer mehr Personen für einen Job entscheiden.

Übrigens: Dass bei diesen Anstellungsverhältnissen natürlich jede Menge Lohnsteuer fließt und dem deutschen Staat zugute kommt, wird bei den meisten kritischen Beiträgen gerne mal vergessen.

Darüber hinaus ist Amazon zwar auf der einen Seite eine Bedrohung für viele Onlineshop-Betreiber und stationäre Händler. Andererseits steht aber auch prinzipiell jedem die Nutzung von Amazon zur Verfügung. Amazon hat zwar klare Vorstellungen, was z.B. den Kundenservice, die Liefergeschwindigkeit etc. angeht, allerdings werden Händlern auch keine Steine in den Weg gelegt – abgesehen von ein paar Formalitäten und etwas Vertrags-Bürokratie.

Fazit zu Amazon

Abschließend lässt sich festhalten, dass Amazon.com fest mit unseren Shopping-Gewohnheiten im Internet verwurzelt bleiben wird. Der Marktplatz hat schon jetzt einen riesigen Marktanteil und Jeff Bezos & seinem Team ist es zuzutrauen, dass sie noch Wege finden werden, um diesen noch weiter zu steigern.

Auch alternative Einnahmequellen (z.B. eine Vergrößerung der eigenen Transport-Flotte) sind denkbar, wodurch Amazon noch präsenter in unserer Wirtschaft werden könnte.

Bei aller Kritik, die Amazon entgegengebracht wird (teilweise vielleicht auch zurecht), muss man jedoch konstatieren: Jeff Bezos hat mit Amazon.com einen Marktplatz geschaffen, der vielen Händlern eine Existenzgrundlage bietet und viele Kunden Tag für Tag glücklich macht. Zudem arbeiten viele Menschen für Amazon selbst (z.B. im Lager, Kundenservice oder Marketing) und auch angrenzende Industrien (z.B. der Versandhandel) haben enorm profitiert.

Und das alles fing mit einem kleinen Buchladen an – eine unfassbare Erfolgsstory, die Jeff Bezos in den letzten 25 Jahren mit viel Unternehmergeist und zahlreichen, richtigen Entscheidungen geschrieben hat!


Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!