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08.01.2002

Buchvorstellung: The language of new media

 
Aus der Perspektive eines erfahrenen Praktikers
Ein Café in Berlin-Mitte im Januar 2002. Der Rezensent legt ein Buch auf den Tisch. Lev Manovich: The Language of New Media. "Das musst du lesen. Das ist wichtig für dich". Seine Begleiterin – eine junge talentierte Designerin – blättert interessiert durch die ersten Seiten. Sie sieht ihn fragend an: "Aber da sind ja kaum Bilder drin...".

Richtig. In Lev Manovichs Buch sind kaum Abbildungen zu finden. Aber auch ohne visuelle Unterstützung machen seine Inhalte es dennoch zu einem wichtigen Buch für jeden Gestalter, der sich ernsthaft mit interaktiven und/oder zeitbasierten Medien beschäftigt. Es ist ein Buch zur Medientheorie. Genauer: Der Versuch einer systematischen Analyse der Form, Ausdrucksweise und Ästhetik der Neuen Medien.

The Language of New Media ist bereits im Frühjahr 2001 erschienen und hat seitdem in den Fachkreisen, die sich mit der Theorie der Medien beschäftigen einige Beachtung gefunden (auf der Homepage des Autors findet sich u.a. eine umfangreiche Liste bereits erschienener Rezensionen: www.manovich.net). Vor allem im akademischen Bereich und der Lehre scheint Manovich hier eine Lücke gefunden und gefüllt zu haben, indem er eine der ersten fundierten theoretischen Arbeiten in seinem Bereich aus der Perspektive des erfahrenen Praktikers ablieferte.

Dass also dieses Buch für den Theoretiker eine wertvolle Lektüre bzw. zumindest ein Denkanstoß und Anlass zur kontroversen Diskussion ist, steht außer Frage. Wie aber kann der Gestalter als Praktiker davon profitieren?

Manovich basiert seine Analyse einer Sprache der Neuen Medien auf zwei Vorgehensweisen. Zum einen stellt der die neuen interaktiven Medien in einen geschichtlichen Kontext bereits länger existierender Medien. Er bezieht sich hierbei vor allem auch auf Fragen der formalen und technischen Umsetzung und ermöglicht so, die Gegenwart und Zukunft der Neuen Medien nachvollziehbar jeweils als Status Quo einer Kontinuität zu betrachten. Gleichzeitig wählt er als zweiten Ansatz eine klare Beschreibung technologischer Prozesse und Effekte, um die den Neuen Medien zugrundeliegenden Arbeitsweisen zu erfassen. Hierbei geht er jedoch über die bloße Auflistung hinaus und stellt seine Erkenntnisse permanent in einen Zusammenhang mit Fragen der Form, der Struktur, der Ästhetik.

Man kann also parallel zu Manovichs Vorgehen die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse der Gestaltung und Ästhetik alter und neuer Medien in Relation bringen und so neue Impulse finden oder in der eigenen Arbeit (oder auch der Arbeit anderer) enthaltene Elemente auf Basis dieser Grundlage überprüfen.

Das Buch liefert keine Anleitung zur Gestaltung. Es präsentiert keine Antwort auf die Frage "Wie mache ich das?" sondern macht Vorschläge und bietet Anregungen, um die Frage "Warum sieht das so aus und nicht anders?" besser beantworten zu können. Es ist ein intelligent geschriebenes Buch und es muss intelligent gelesen werden. Gleichzeitig ist es einfach zu lesen (abgesehen von dem Manko, dass es bislang lediglich in Englisch erschienen ist), vor allem im Vergleich zu den Medientheorien, die sich an der Tradition der postmodernen Philosophie orientieren. Der vordergründig banal erscheinende Ansatz, Techniken und allgemein bekannte Vorgehensweisen gegenüber und nebeneinander zu stellen, erweist sich in der komprimierten Form, in der dies erfolgt, als einer der größten Pluspunkte des Buches. Auf diese Art und Weise werden die Herleitungen der Theorien transparent und auch für medientheoretisch wenig vorbereitete Leser nachvollziehbar.

Grundlage des Buches waren Beiträge, die Lev Manovich im Laufe der Jahre in Mailinglisten wie beispielsweise Rhizome (www.rhizome.org) schrieb. Dies merkt man dem Buch auch an, denn es hat vom Aufbau her einen sehr modularen Charakter. Die einzelnen Beiträge sind allerdings gekonnt zu einem Ganzen verwoben, so dass es sich gut in einem Stück lesen lässt – wenn man die Ausdauer und Zeit mitbringt. Auf der anderen Seite bietet es sich jedoch geradezu an, einzelne Kapitel oder Unterkapitel separat zu lesen, was für mich ein weiterer sehr positiver Aspekt dieses Buches ist. Man muss es nicht kontinuierlich durcharbeiten, um aus ihm Nutzen ziehen zu können.

Fazit:
The Language of New Media von Lev Manovich gehört in die Bibliothek jedes Designers neuer (und älterer) Medien, der über den Tellerrand hinausblicken möchte. Das Buch liefert fundierte Theorien und interessante Sichtweisen zur Mediengestaltung und damit auch zur Position des Mediengestalters. Wie jede theoretische Abhandlung muss man es kritisch lesen. Normal gute Englischkenntnisse reichen aus, um es sprachlich zu verstehen. Es inhaltlich zu verstehen und seine Bedeutung zu erkennen, wird einem durch die Art und Weise wie es geschrieben ist, leicht gemacht. Es ist sein Geld wert.

Enno Hyttrek ist freier Art Director und Dozent für Mediengestaltung an der HDK Berlin.

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The language of new media

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